Die Gründung der "Cella St. Walburga" im November 2006 hat über die Grenzen der Pfarrei hinaus Beachtung gefunden, (Bericht der Kirchenzeitung des Bistums Eichstätt -> Presseecho). - Die guten Erfahrungen mit den Klosterwochenenden hatten in zahlreichen Teilnehmerinnen den Wunsch geweckt, etwas von der heilsamen Spiritualität der Klöster mit in den Alltag hinein zu nehmen. ("Cella" bedeutet im kirchlichen Sprachgebrauch "Stadtkloster" oder "Außenstelle".)
"Alltag" bedeutet für die dreißig Frauen der "Cella", sich nach Möglichkeit am Tag einige Minuten Zeit zu nehmen, einen Psalm zu beten, ein kurzes Schriftwort zu bedenken, Fürbitte zu halten in den persönlichen Anliegen und in den Nöten der Welt. Die Frauen entscheiden selbst, wie viel und zu welchem Zeitpunkt sie beten. Wichtig ist, sich keine Vorwürfe zu machen, wenn es einmal nicht geht: die von uns Kinder haben, finden werktags eher die Zeit dazu als am Wochenende, wenn der Tagesrhythmus ganz anders ist. Unsere Erfahrung ist, dass das Gebet uns ein "Aufatmen" schenkt und uns auch entlastet, insofern wir unsere Sorgen ausdrücklich Gott ans Herz legen.
Einmal im Monat gestalten wir das Abendlob in unserer Pfarrkirche. An einem Montag (siehe Termine) um 20.00 Uhr hören wir Gottes Wort und singen die Psalmen. Immer wieder sind wir erstaunt über die Kraft und die Gültigkeit dieser Jahrtausende alten Gebete: Sie verbinden uns mit dem Volk Israel und mit Jesus von Nazaret, dem sie als Grundgebete so selbstverständlich über die Lippen kamen wie uns das Vater Unser. Die Psalmen gehören zum Gebetsschatz aller christlichen Kirchen, sind also konfessionsverbindend! - Durch die Psalmen weitet und vertieft sich unser Gebet, weil sie so vielfältig sind: alles, von der Klage über den Zweifel bis zum Jubel, hat darin Platz. - Beterinnen und Beter aus der Pfarrgemeinde sind herzlich eingeladen!
Das anschließende Treffen dient den Mitgliedern der "Cella" zur geistlichen Vertiefung und zum Erfahrungsaustausch. Wir lesen in der Regel des Hl. Benedikt und überlegen, inwieweit seine Ratschläge unser geistliches Leben befruchten könnten. Bei unseren Treffen üben wir auch das Singen der Psalmen – zu Hause entscheidet jede selbst, ob sie laut oder leise betet, spricht, summt oder singt.
Die Fürbitte nimmt einen zentralen Platz in unserem Gebet ein: da ist keine, die nicht von einer offenkundigen oder verborgenen Not weiß. Die Anliegen werden diskret vorgebracht, ein Tratschklub wollen wir entschieden nicht sein! Wir notieren die im Abendlob vorgebrachten Anliegen, damit keines verloren geht, nehmen sie mit nach Hause und bringen sie in den folgenden Wochen vor Gott. – Schon öfters durften wir erfahren, dass unser Gebet etwas bewegt hat: da hat jemand Mut zu einem neuen Schritt gefasst. Da ist jemand in großer Not bewahrt worden. Da findet jemand die Kraft, seinen Weg trotz großer Bedrängnis weiter zu gehen. Auch das teilen wir einander mit, und zwar voll Freude!
Nicht alle Mitglieder der "Cella" können oder wollen an den monatlichen Treffen teilnehmen; manche haben Kinder zu betreuen, andere müssen noch spät arbeiten, wieder andere suchen den Austausch in dieser Form derzeit nicht. Trotzdem sind sie keine "Mitglieder 2. Klasse" – wir können und wollen nicht auf unsere "abwesenden Schwestern" (so formulieren es die Benediktinerinnen) verzichten!

Jede Frau der "Cella St. Walburga" erhält in den Tagen nach dem Treffen einen Brief, meist per E-Mail oder in den Postkasten. Auf diese Weise kann jede z.B. den Auszug aus der Benediktsregel nachlesen, die Fragen oder Themen aus dem Erfahrungsaustausch und die Anliegen, die wir im nächsten Monat im Gebet mittragen wollen. Damit sind auch die "abwesenden Schwestern" nicht vom Informationsfluss und von der Gemeinschaft ausgeschlossen. - Wenn eine von uns aktuell ein Gebetsanliegen hat oder erfährt, schickt sie eine Mail herum oder informiert einige Frauen per Telefon. So verteilt sich die Sorge auf mehrere Schultern.
Die "Cella St. Walburga" ist keine "geschlossene Gesellschaft", sondern eine bunte Mischung von Frauen zwischen 30 und 75 Jahren, mit oder ohne Familie, aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Wir verstehen uns als "Gebetsgemeinschaft": wir dürfen erfahren, dass einerseits die Gemeinschaft unser Beten bereichert und andererseits das Beten wiederum Gemeinschaft bildet und vertieft.
Frauen, die gerne beten, sind herzlich willkommen, beim monatlichen Abendlob und dem anschließenden Treffen zu schnuppern oder sich für einige Wochen das Tagzeitenbuch zum Ausprobieren zu leihen. Die die Termine der monatlichen Treffen sind auf der Homepage zu finden und werden durch Aushang im Schaukasten und durch die Gottesdienstordnung angekündigt.
Im Namen der Frauen von der "Cella St. Walburga":
Irene Keil, Gemeindereferentin
