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Pfünz 2008: ein echter "Volltreffer"!

Familienwochenende rund um Fußball und Europa 

 

Drei Tage vor der Abreise war das letzte Zimmer belegt: 26 Familien - 108 Personen - 60 Kinder bzw. Jugendliche und 48 Erwachsene nahmen Teil am Familienwochenende von 6. bis 8. Juni 2008 im Diözesanjugendhaus Pfünz. Der Beginn der Fußball-EM legte nahe, sich mit dem Thema "Europa" zu beschäftigen, und das geschah in vielfältiger Form:


Sieben sportliche Teilnehmer/innen bewältigten am Freitag die 110 zentraleuropäischen Anfahrts-Kilometer zwischen Nürnberg und Pfünz mit dem Fahrrad.


Bei der ersten "großen Runde" setzte jede Familie ein Fähnchen auf eine große Europakarte: in ihr Herkunfts- oder bevorzugtes Urlaubsland. - Ein Europa-Quiz nach der Art von "1, 2 oder 3" wirbelte Kinder und Erwachsene durch den ganzen Kontinent. Für jede richtige Antwort gab es ein Schokobonbon! Bei vier europäischen Ländern wurden die Gitarren gezückt und Lieder gesungen: in französischer, englischer, italienischer und spanischer Sprache.


Gutenachtgeschichten und Traumreisen für die Kleinen sowie Morgen-, Tisch- und Abendgebete für alle Teilnehmer setzten kleine besinnliche Impulse während des Tages.


In Gruppenstunden am Samstag tauschten die Kinder ihre Urlaubserfahrungen aus verschiedenen Ländern Europas aus, ordneten den einzelnen Ländern Flaggen, Fußballer, Baudenkmäler und typische Gerichte zu, machten einen kleinen Sprachkurs und überlegten, was ganz konkret fehlen würde, wenn einzelne Länder nicht zu Europa gehörten.


Die Jugendlichen erfuhren, dass weltweit mehr als 250.000 Kindersoldaten in bewaffneten Konflikten zum Töten gezwungen werden und dass die christlichen Kirchen um eine Resozialisierung der Betroffenen bemühen. (Auch namhafte Fußballer wie Pelé und Gerald Asamoah sowie Bundesligavereine wie Schalke 04 unterstützen die Aktion "Volltreffer: Auf Tore schießen statt auf Menschen"!)


Die Erwachsenen hatten die Möglichkeit, verschiedene Stände auf dem "Marktplatz Europa" zu besuchen: sie konnten sich einen Überblick über 2000 Jahre europäisches Christentum verschaffen, alte Währungen mit dem Euro vergleichen, den katholischen Politiker Robert Schuman (den "Vater Europas") kennenlernen; sich per Kurzfilm und Quiz über die EU informieren und in der Zukunftswerkstatt darüber nachdenken, wie die Lebensbedingungen für Familien im Jahr 2030 wohl aussehen könnten.


Ein großer Stationenlauf brachte alle Kinder und Jugendlichen im Schulalter in Bewegung: im ganzen Haus verteilte Länderkennzeichen mussten gefunden werden. Erst dann konnten die Gruppen die jeweilige Frage beantworten oder Aufgaben lösen wie z.B.: "Puzzelt diesen 10-Euro-Schein wieder zusammen!" - Unsere zwölf Jüngsten wurden in dieser Zeit liebevoll betreut von zwei Kinderpflegerinnen  unseres Kindergartens St. Walburga. - Schon im Blick auf die EM durften sie sich z. B. im Torwandschießen üben und nahmen anschließend stolz ihre Urkunden entgegen.



Ein Höhepunkt war für die Erwachsenen der diözesangeschichtliche Rundgang durch Eichstätt am Samstagnachmittag. Bischofsvikar Georg Härteis nahm die Teilnehmer/innen mit auf die Lebensreise des Hl. Willibald, die ihn bis an die Grenzen Europas und darüber hinaus führte. Als abenteuerlustiger junger Mann war er im 7. Jahrhundert über die Alpen und Italien ins heilige Land gepilgert, wo er mehrere Jahre an den Stätten des Lebens Jesu verbrachte, z.B. am heiligen Grab in Jerusalem (dessen Nachbau in der Eichstätter Kapuzinerkirche zu sehen ist). Die Kapelle des "Collegium Orientale" im Priesterseminar vermittelte der Gruppe einen Eindruck von der Kultur und Liturgie der Ostkirche, die Willibald während seiner Jahre in Konstantinopel kennenlernte. Im Dom schließlich erzählte  Bischofsvikar Härteis von Willibalds Aufenthalt im Kloster Montecassino, von dessen Entschluss, Mönch nach der Regel des Hl. Benedikt zu werden, von der Berufung in die Germanenmission durch Bonifatius und von seinem Wirken als Bischof von Eichstätt. - In der Abtei St. Walburg rückte endlich die hl. Walburga als "Frau von europäischem Format" neben ihren berühmten Bruder. - Was Willibald, Walburga, ihr Bruder Wunibald und ihre Zeitgenossen an Kultur und Werten in Europa einpflanzten, hat den Kontinent nachhaltig verändert.


Die Kinder hatten ihre eigene Domführung. Dabei entdeckten sie die Nürnberger Burg auf dem sog. "Pappenheimer Altar" und durften im Diözesanmuseum die Original-Walburga-(Wand-)Teppiche anschauen, die manche von Fotos aus dem kleinen Pfarrsaal kannten. Kirche und Grab der hl. Walburga besichtigten die Kinder- und Erwachsenengruppe wieder zusammen.



Wer sich lieber körperlich austoben wollte, konnte das auf dem weitläufigen Gelände des Jugendhauses tun: die Sportplätze und Tischtennisplatten, das Europa-Labyrinth und der große Park wirkten wie Magneten und zogen die Sportler/innen ins Freie. - Erwartungsgemäß nutzten viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Möglichkeit, die Übertragung der beiden Spiele am EM-Eröffnungstag in großem "Format" anzuschauen.


Ein kleines Grüppchen Kulturfreaks erlebte einen schaurig-schönen Abend mit drei europäischen Kirchenkrimis, die als Hörbuch bzw. -spiel dargeboten wurden: "Mord im Pfarrhaus" (Agatha Christie) forderte zu nicht ganz ernst gemeinten Vergleichen zwischen Eibach und St. Mary Mead heraus. "Tod im Skriptorium" (Peter Tremayne) und "Sanft entschlafen" (Donna Leon) spielen ebenfalls im klösterlichen bzw. kirchlichen Milieu, wenn auch in ganz unterschiedlichen Jahrhunderten.




Zu Beginn des Familiengottesdienstes am Sonntag erzählte Diözesanjugendpfarrer Martin Geistbeck den Kindern, wie es früher an den innereuropäischen Grenzen zuging: lange Wartezeiten vor dem Schlagbaum, Zöllner, Befragung nach dem woher, wohin und wozu - und stellte der Gruppe Jesus als Gegenbeispiel vor Augen: den "Menschen ohne Grenzen", der den Zöllner Matthäus in seine Nachfolge ruft. Anstelle der Predigt interviewte eine Reporterin den Apostel Paulus und befragte ihn nach seinen Eindrücken und Erfahrungen im neuen Missionsgebiet "Europa".  - Ein kleines Orchester unterstützte die Gottesdienstgemeinde beim Singen und intonierte am Schluss mitreißend den Hit des Wochenendes: "Voll-, Voll-, Volltreffer: ein Volltreffer Gottes bist du!" (NB: Die Kollekte während der Gabenbereitung ergab 133,75 € zugunsten der "Aktion Volltreffer".)

Direkt von der Kapelle ging es auf den Sportplatz zum Väter-Söhne-Mütter-Töchter-Fußballturnier: vier alters- und geschlechtsgemischte Mannschaften waren zustandegekommen und zeigten lobenswerten Einsatz - ebenso wie die Reporter/innen am Megaphon, die die vier Spiele launig und sachkundig zugleich kommentierten.


Sogar die Küche des Jugendhauses lieferte ihren Beitrag zum Europa-Wochenende und servierte Italienisches am Samstag und Griechisches am Sonntag!


Bleibt am Schluss der große Dank: an die beiden Kinderpflegerinnen und an die 15 Jugendlichen, die das Kinder- und Sportprogramm geplant und verantwortet haben; an die sieben Erwachsenen, die tatkräftig bei der Organisation und der inhaltlichen Durchführung mitwirkten; an alle, die immer wieder fragten: "Kann ich was helfen?" und bereitwillig Dienste übernommen haben.  So wurde das Europa-Wochenende wahrlich zu einem "Volltreffer" für alle Beteiligten!

 
Irene Keil







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